Ins Grüne ziehen oder lieber in die City? – Angelika Münter ist Raumplanerin

Ruhr Nachrichten, 7. März 2013

Für ihre eigene Wohnung wünschte Angelika Münter sich einen kleinen Garten, Supermärkte direkt um die Ecke und U-Bahn-Anschluss. Solche Kriterien seien bei der Suche wichtig, besonders mit Familie, betont die 34-jährige Mutter eines einjährigen Kindes. „Die meisten aber achten nur auf den Preis, die Größe sowie Zahl der Zimmer und vielleicht noch den Stadtteil.“

Angelika Münter spricht nicht nur aus persönlicher Erfahrung: Sie ist promovierte Raumplanerin. Es interessiert sie, wie Menschen entscheiden, wo sie leben wollen. In ihrer Doktorarbeit an der TU Dortmund hatte sie sich mit der Frage befasst, warum viele von der Stadt ins Umland ziehen. Fast die Hälfte davon sind demnach Paare mit Kindern. Und die meisten wechseln ihren Wohnort aus finanziellen Gründen.

Raus oder rein in die Stadt?

Doch längst nicht mehr jede junge Familie strebe nach dem Häuschen am Stadtrand. Dem Trend „raus ins Grüne“, der im 20. Jahrhundert vorherrschte – Suburbanisierung nennen das Raumplaner – stehe heute eine Gegenbewegung „rein in die Stadt“ gegenüber. Münter erläutert die Gründe: „Familiengründung findet immer später statt, gleichzeitig gibt es eine Flexibilisierung der Arbeitswelt.“ Viele entschieden sich gegen einen Hauskauf, weil sie nicht wüssten, wie lange sie in der gleichen Region wohnen werden. Eine Trendwende sieht Münter jedoch nicht: Immer noch stellt Suburbanisierung die Raumplanung vor Herausforderungen – etwa weil viele zur Arbeit in die Stadt pendeln.

Privat war Angelika Münter ein kurzer Weg zum Arbeitsplatz wichtig. Denn davon hat sie gleich zwei: Die Fakultät Raumplanung der TU Dortmund und das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung Dortmund (ILS). Zu beiden Arbeitsstellen fährt die U-Bahn.

Am ILS forscht Münter zu metropolitanen Räumen: Stadtregionen, die global vernetzt sind, gleichzeitig aber komplexe innere Strukturen aufweisen – wie das Rhein-Ruhr-Gebiet. So hat sie untersucht, wo sich internationale Dienstleistungsunternehmen wie Unternehmensberatungen oder Werbeagenturen niederlassen. „Daran können wir erkennen, wie global eingebunden eine Region ist“, erklärt Angelika Münter. Demnach ist das Rhein-Ruhr-Gebiet über Düsseldorf und Köln weltweit vernetzt, andere große Städte wie Dortmund spielen bislang kaum eine Rolle.

Vorteile des Ruhrgebiets

Die Vorteile des Ruhrgebiets weiß Angelika Münter privat zu schätzen: Vorerst ist es für sie und ihre Familie eine Dreizimmerwohnung in Dortmund-Hombruch geworden. Durch ihre Forschung entscheide sie sich bewusster für ihren Wohnort, sagt Münter. Und muss doch feststellen, dass selbst eine wissenschaftlich abgewogene Entscheidung keine völlige Zufriedenheit garantiert: „Mit Mann und Kleinkind ist unsere Wohnung nämlich eigentlich viel zu klein.“